Johannes Kollien
Stipendiat Johannes Kollien
Auslandssemester: Corvinus University Budapest, Ungarn (09.2025 - 02.2026)
Johannes absolviert ab September 2025 ein Auslandssemester an der renommierten Corvinus University Budapest in Ungarn, um sein Masterstudium im Bereich Strategic Marketing Management an der ISM Frankfurt am Main um wertvolle internationale Erfahrungen zu erweitern.
Bereits während seines Bachelorstudiums „Management im Gesundheitswesen“ reifte der Wunsch, künftig auch interkulturelle Perspektiven und internationale Märkte stärker in seine Ausbildung einzubeziehen. Das Masterprogramm an der ISM – kombiniert mit dem Auslandssemester in Budapest – bietet dafür ideale Bedingungen.
Budapest hat Johannes nicht nur durch seine kulturelle Vielfalt, sondern vor allem durch die hohe Lehrqualität an der Corvinus University überzeugt. Die Universität zählt zu den besten 2% der internationalen Business Schools (AMBA- & AACSB-akkreditiert) und bietet praxisnahe Einblicke in globale Marketingprozesse.
Zielsetzungen des Auslandssemesters:
• Fachliche Vertiefung im Bereich strategisches Marketing
• Englischsprachige Lehre zur Verbesserung der internationalen Fachkommunikation
• Aufbau eines internationalen Netzwerks mit Studierenden und Lehrenden
• Kulturelle und persönliche Weiterentwicklung in einem neuen Umfeld
• Aktive Teilnahme an Innovationsprojekten und Karriereveranstaltungen
Langfristig verfolgt Johannes eine Karriere im internationalen strategischen Marketing, an der Schnittstelle von Markenstrategie, Kommunikation und digitalen Innovationen. Das Auslandssemester in Budapest ist für ihn ein zentraler Meilenstein, um dieses Ziel fundiert und reflektiert zu erreichen.
Wir gratulieren Johannes herzlich zum Stipendium und wünschen ihm viel Erfolg in Budapest!
Erfahrungsbericht – Auslandssemester in Budapest
von Johannes Kollien (Zeitraum: 09/2025 bis 12/2025)
Einleitung
Mein Auslandssemester an der Corvinus Universität in Budapest absolvierte ich im Rahmen meines Masterstudiums im Studiengang Strategisches Marketing Management an der International School of Management (ISM) in Frankfurt am Main. Zum Zeitpunkt des Aufenthalts befand ich mich im dritten Semester, also kurz vor Beginn der Abschlussphase meines Studiums. Das Auslandssemester stellt einen verpflichtenden Bestandteil meines Studienplans dar, war für mich jedoch weit mehr als eine bloße Vorgabe: es war ein entscheidendes Kriterium für die Wahl meines Studiengangs und zugleich eine persönliche Motivation, meine akademische und kulturelle Perspektive zu erweitern.
Besonders reizvoll erschien mir die Möglichkeit, mein Fachwissen in einem internationalen Umfeld weiterzuentwickeln. Durch Module wie International Marketing, Marketing Innovations & New Product Development, Managing the Multinational Enterprise sowie Change Management bot das Semester eine wertvolle Ergänzung zu den theoretischen Schwerpunkten meines Studiums in Frankfurt. Darüber hinaus verstand ich den Aufenthalt als Gelegenheit, meine interkulturellen Kompetenzen auszubauen, die ungarische Kultur und Geschichte kennenzulernen und mich mit Studierenden sowie Fachleuten aus den Bereichen Beratung, Produktentwicklung und Marktforschung auszutauschen.
Budapest als Standort war für mich eine bewusste Wahl. Die Stadt, oft als Paris des Ostens bezeichnet, faszinierte mich durch ihre besondere Mischung aus geschichtlicher Tiefe, kultureller Vielfalt und internationalem Flair. Gleichzeitig war der zentraleuropäische, teils noch immer osteuropäisch geprägte Kontext für mich Neuland. In vielerlei Hinsicht erschien mir Ungarn als spannendes, beinahe „exotisches“ Studienziel innerhalb Europas. Mit einer eigenen Sprache, einer eigenen Währung und einem politischen Klima, das sich deutlich von westeuropäischen Ländern unterscheidet. Diese Unterschiede machten den Reiz aus, boten aber auch Gelegenheit, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Die Corvinus Universität war von meiner Heimathochschule als Partnerinstitution vorgegeben, was mir den organisatorischen Einstieg erleichterte. Rückblickend erweist sich diese Vorgabe als Glücksfall, da die Corvinus Universität mit ihrem starken wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Profil, ihrer internationalen Ausrichtung und der Lage im Herzen Budapests ideale Bedingungen für ein offenes, praxisnahes Studium bot.
Eine wesentliche Rolle für meinen Aufenthalt spielte die finanzielle Unterstützung durch das Feline-Stipendium. Auf Empfehlung meiner Hochschule wurde ich auf das Förderprogramm aufmerksam und erhielt über Feline Holidays eine wertvolle Unterstützung, die es mir ermöglichte, meinen Aufenthalt unter stabileren finanziellen Bedingungen zu gestalten. Angesichts der in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten in Budapest, die sich insbesondere in Mieten, Lebensmitteln und Freizeitaktivitäten bemerkbar machten, erwies sich die Förderung als eine erhebliche Entlastung. Sie erlaubte mir, mich auf Studium und interkulturelle Erfahrungen zu konzentrieren, statt auf finanzielle Kompromisse.
Mit dieser Ausgangslage begann ich mein Auslandssemester an der Corvinus Universität Budapest (Anfang 09/2025 bis Ende 12/2025) – mit Neugier, Offenheit und der bewussten Entscheidung, mich auf neue akademische und kulturelle Perspektiven einzulassen.
Erste Eindrücke und Ankunft in Budapest
Anfang September 2025 begann mein Auslandssemester mit dem Direktflug von Frankfurt am Main nach Budapest – ein reibungsloser Start in ein neues Kapitel voller Vorfreude, Neugier und Entdeckungsdrang. Nach der Ankunft am Flughafen machte ich mich mit Bus und U-Bahn auf den Weg zu meiner Unterkunft im VIII. Bezirk der Stadt. Die Fahrt mit der Metro prägte meinen ersten Eindruck stärker, als ich zu diesem Zeitpunkt ahnte: autonom fahrende Züge, außergewöhnlich hohe Bahnsteigdecken, viel Glas und Licht – die moderne Architektur der Budapester U-Bahn stand in starkem Kontrast zu den renovierungsbedürftigen Altbauten meines neuen Viertels. Die heruntergekommenen, teils mit bröckelndem Putz und freiliegendem Mauerwerk versehenen Fassaden erzählten ihre eigene Geschichte. Dieser Kontrast zwischen alt und neu, zwischen Fortschritt und Patina, schien sinnbildlich für die gesamte Stadt – und versprach eine spannende Zeit.
Meine Unterkunft befand sich in einer Wohngemeinschaft mit zwei weiteren Studierenden, vermittelt durch eine lokale Agentur. Das Apartment lag in der Nähe des Bahnhofs Keleti Pályaudvar – einem verkehrsreichen Knotenpunkt im VIII. Bezirk, der zu den sozial schwächeren, aber sehr zentral gelegenen Vierteln gehört. Die Universität sowie das Stadtzentrum waren innerhalb von zwanzig Minuten mit U-Bahn oder Bus erreichbar, was meinen Alltag erheblich erleichterte. Bereits in den ersten Tagen standen organisatorische Aufgaben im Vordergrund: die Einschreibung an der Corvinus Universität, die Teilnahme an den universitären Einführungstagen und die zahlreichen Veranstaltungen des Erasmus Student Network (ESN). Deren Angebot – von Stadtrundgängen und Picknicks über Pub-Hopping bis hin zu einem mehrtägigen Freshman-Camp am Balaton – trug wesentlich dazu bei, Kontakte zu knüpfen und mich rasch in die internationale Studierendengemeinschaft einzufügen.
Besonders prägend war dabei die kulturelle Vielfalt: in den ersten Wochen trafen Studierende aus sämtlichen Kontinenten aufeinander und erlebten gemeinsam die Eingewöhnung in die ungarische Kultur. Doch trotz der übergreifenden Verständigung über Englisch blieb die ungarische Sprache für mich zunächst eine Herausforderung. Das schnelle Sprechtempo und komplexe Wortstrukturen machten spontane Kommunikation schwierig; in Interaktionen mit älteren Einheimischen half oft nur nonverbale Verständigung. Digitale Apps für Navigation, Währungsumrechnung und Übersetzung wurden zu alltäglichen Begleitern – ebenso wie meine Powerbank, die wegen des hohen Stromverbrauchs unentbehrlich war.
Bereits in den ersten Tagen begeisterte mich die kontrastreiche Atmosphäre der Stadt. Das touristische Zentrum beeindruckte durch seine Sauberkeit, die prachtvollen Gebäude aus der Gründerzeit und die abendliche Beleuchtung, die die Prachtbauten am Donauufer (Donaukorso) in ein goldenes Licht taucht. Diese ästhetische Inszenierung vermittelte eine fast festliche Stimmung. Gleichzeitig offenbarte sich außerhalb des Zentrums ein anderes Budapest – authentischer, leiser, aber mit sichtbaren Spuren wirtschaftlicher und sozialer Ungleichheit. Trotz dieser Gegensätze wurde mir schnell bewusst, dass gerade diese Vielschichtigkeit den Reiz der Stadt ausmachte.
Die Eingewöhnung fiel mir leichter als erwartet. Namhafte deutsche Einzelhandelsketten und ein hervorragend organisiertes Nahverkehrsnetz gaben Orientierung und Sicherheit. Nach etwa zwei Wochen stellte sich ein Gefühl von Vertrautheit ein: Die wichtigsten Wege kannte ich auswendig, die Routinen hatten sich eingespielt, und das Fremde begann, sich vertraut anzufühlen. Auch wenn die ersten Wochen zwischen Eingewöhnung und sozialer Integration herausfordernd waren, bildeten sie gleichzeitig die Grundlage für viele wertvolle Begegnungen und persönliche Erfahrungen.
Mit der allmählichen Ankunft im Alltag öffnete sich auch der Blick für die tiefere Struktur und Identität der Stadt – für das Zusammenspiel von Geschichte, Kultur und gesellschaftlicher Dynamik, das Budapest so einzigartig macht.
Ein Porträt der Stadt Budapest
Budapest präsentiert sich als Stadt der Kontraste – geprägt von Geschichte, Wandel und eindrucksvoller architektonischer Vielfalt. Das Stadtbild wird weitgehend vom Baustil des 19. Jahrhunderts bestimmt, in dem die ungarische Hauptstadt ihre Blütezeit hatte und ihre bis heute prägende Identität formte. Viele Gebäude, insbesondere entlang der Prachtstraßen und an der Donau, erinnern in Struktur und Ornamentik stark an Wien – kein Zufall, denn zur Zeit der k. u. k. Monarchie galt Wien als architektonisches und kulturelles Vorbild. Mit jedem Schritt lassen sich Spuren unterschiedlicher Epochen erkennen: Denkmäler für Komponisten wie Franz Liszt, für Freiheitskämpfer und Schriftsteller zeugen von der geschichtlichen Tiefe Ungarns. Dazwischen mischen sich Überreste des sozialistischen 20. Jahrhunderts – Plattenbauten, Denkmäler und Museen, die an das damalige Staatsverständnis erinnern.
Hinter den historischen Fassaden offenbart sich heute jedoch ein vielfältiges, teils modernisiertes Stadtleben. Viele Altbauten beherbergen moderne Büros oder Wohnungen, und an großen Kreuzungen dominieren bunte Werbetafeln und Leuchtreklamen, die dem Stadtbild ein pulsierendes, urbanes Gesicht verleihen. Außerhalb des Zentrums prägen großflächige Komplexe – Krankenhäuser, Universitäten und Unternehmenssitze – die Silhouette.
Budapest ist lebendig, geschäftig und zugleich von einer gewissen Gelassenheit geprägt. In den Gesichtern der Bewohner zeigt sich Zurückhaltung, gepaart mit einer stillen Herzlichkeit. Lautes, temperamentvolles Auftreten, wie man es aus südlicheren Ländern kennt, ist eher selten – stattdessen dominiert eine höfliche, ruhige Art. Das Stadtleben ist begleitet vom Grollen alter Trambahnen, vom Sirenengeheul der Polizei- und Rettungswägen, das in unzähligen Tonlagen durch die Straßen hallt, und vom Duft von Paprikagerichten, der aus Restaurants und Bistros strömt. Gulasch und Langos in allen Variationen scheinen allgegenwärtig und spiegeln den Stolz auf die ungarische Küche bzw. die Erwartungen der Touristen wider.
Gleichzeitig offenbaren sich deutliche Gegensätze: Zwischen renovierten Regierungsgebäuden und maroden Wohnhäusern liegen oft nur wenige Straßen. Luxusfahrzeuge passieren bröckelnde Fassaden, und während in der Innenstadt teure Boutiquen eröffnen, steigt die Inflation auf Lebensmittel teils stärker als in Deutschland. Diese Dualität verleiht Budapest ein komplexes, manchmal widersprüchliches Gesicht – modern und traditionsbewusst, wohlhabend und bescheiden zugleich.
Auch kulturell bietet die Stadt außergewöhnliche Vielfalt: klassische Konzerte, Opernaufführungen, die legendären Thermalbäder, Wochenmärkte und die berühmten Ruinenbars im VII. Bezirk, die sich in verfallenen Innenhöfen etabliert haben und heute Symbol urbaner Kreativität sind. Besonders an Sommerabenden erwacht Budapest zu einem vibrierenden Ort, an dem Geschichte, Kultur und Lebensfreude ineinandergreifen.
Diese Mischung aus Historie, Energie und Gegensätzen prägt nicht nur die urbane Identität, sondern auch das akademische Umfeld, in dem die Stadt pulsiert – insbesondere an der Corvinus Universität, die sich als Spiegel dieser Vielschichtigkeit präsentiert.
Akademischer Alltag an der Corvinus Universität
Die Corvinus Universität (ungarisch: Budapesti Corvinus Egyetem) liegt in außergewöhnlicher Lage – direkt an der Donau und unmittelbar neben der markanten Freiheitsbrücke (ungarisch: Szabadság híd). Das Hauptgebäude, das ehemalige Hauptzollamt aus dem Jahr 1874, verbindet historische Architektur mit moderner, lichtdurchfluteter Innenraumgestaltung. Auf mich wirkte der Campus als ein Ort, an dem akademische Konzentration und internationale Begegnung selbstverständlich ineinandergreifen. Der Alltag war geprägt von einer lebendigen, ehrgeizigen und gemeinschaftlich geprägten Atmosphäre.
Alle Lehrveranstaltungen der Uni werden auf Englisch unterrichtet und gliedern sich jeweils in zwei Lehrformate: theoriebasierte Vorlesungen und interaktive, praxisorientierte Seminare. Anders als an meiner Heimathochschule floss an der Corvinus Universität eine Vielzahl an Komponenten in die Abschlussnote ein – Anwesenheit, Beteiligung, schriftliche Abgaben, Gruppenarbeiten, Präsentationen sowie Zwischen und Abschlussprüfungen. Diese Struktur führte zu einem gleichmäßig über das Semester verteilten Arbeitsaufwand und entschärfte den Druck auf die Abschlussprüfung. Häufig bildeten Case Studies und Fachartikel die Grundlage der Unterrichtsdiskussionen, was zwar eine kontinuierliche Vorbereitung erforderte, jedoch aber die Englischkenntnisse wesentlich förderte.
Die hohen Anforderungen wurden zusätzlich durch den stark internationalen Studierendenanteil geprägt: in manchen Kursen bestand er zu 50%, in anderen nahezu vollständig. Gruppenprojekte erforderten daher erhöhten Kommunikations und Abstimmungsaufwand, insbesondere wenn unterschiedliche Sprach , Denk und Arbeitsweisen zusammentrafen. Trotz dieser Herausforderungen empfand ich die Zusammenarbeit als wertvolle Erfahrung für interkulturelles Lernen – auch weil sie reale Teamdynamiken widerspiegelte, wie sie später im Berufsleben relevant sein werden.
Besonders eindrücklich war ein Projekt zur Kampagnenplanung für die Markteinführung eines neuen Süßwarenprodukts in einem fremden Land, das intensive Analysen und kreative Lösungen verlangte. Insgesamt vermittelte die Corvinus Universität eine akademische Tiefe und Professionalität, die weit über organisatorische Strukturen hinausreichte. Ihre technische Infrastruktur und das hohe Engagement der Lehrenden schufen ein Umfeld, das Exzellenz fördert und interkulturelle Brücken baut.
Mit zunehmender Routine im akademischen Alltag rückten schließlich auch die außerschulischen Erfahrungen stärker in den Fokus – jene Begegnungen und Erlebnisse, die meinen Alltag in Budapest jenseits der Universität prägten.
Alltagsleben und kulturelle Erfahrungen
Mein Alltag in Budapest war geprägt von einer spannenden Mischung aus Vertrautem und Neuem. Obwohl die Stadt lebendig und kulturell vielschichtig ist, zeigte sich mein Wohnumfeld im VIII. Bezirk nicht von seiner angenehmsten Seite. Zwar profitierte ich von der hervorragenden Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, doch der hohe Straßenlärm, der sichtbare Sanierungsstau vieler Gebäude und die im Winter schlecht isolierten Wohnungen machten das Wohnen stellenweise herausfordernd. Trotz dieser Einschränkungen empfand ich den Alltag als bereichernd, da die Stadt mit ihrem zuverlässigen und günstigen Nahverkehr – bestehend aus Tram, Bus und U Bahn – eine enorme Mobilität ermöglichte. Besonders faszinierte mich die traditionsreiche Metro M1, die nach London als zweitälteste U Bahnlinie Europas gilt – ein technisches und kulturelles Relikt aus der Millenniumsepoche Ungarns.
Mein Wochenrhythmus orientierte sich an den Vorlesungen, die den Tagesablauf strukturierten. Neben Studium und Gruppenarbeiten blieb jedoch genügend Zeit, regelmäßig das persönliche Netzwerk zu erweitern, die Stadt zu erkunden und das vielfältige Freizeit- & Kulturangebot zu genießen. Wirtschaftlich nahm ich Budapest differenziert wahr. Entgegen meinen Erwartungen lag das Preisniveau in vielen Bereichen leicht über dem deutschen – insbesondere bei Lebensmitteln, Gastronomie und Freizeitaktivitäten. Die anhaltende Inflation spiegelte sich sichtbar im Alltag wider. In kultureller Hinsicht fiel mir die Nähe westlicher Gewohnheiten auf: dieselben Lebensmittel- und Drogeriemärkte, Modemarken und Alltagsstrukturen wie in Deutschland. Dennoch gab es markante Unterschiede – vor allem in Sprache, Währung und in der gesellschaftlichen Wahrnehmung geopolitischer Ereignisse, die teils durch regierungsnahe Medien geprägt war.
Insgesamt zeigte sich der Alltag in Budapest modern, familiär und gesellig. Besonders junge Menschen nutzen die Nachmittage und Abende, um sich mit Freunden zu treffen – sei es in Bars, Restaurants oder beim Eislaufen im Stadtpark. Gleichzeitig lassen sich in der Stadt markante Gegensätze beobachten: westlicher Konsum trifft auf sichtbare Armut, internationale Mode auf ost¬europäische Prägung. Die gesellschaftliche Stimmung schien dabei politisch angespannt. Angesichts Orbáns nicht unumstrittener Regierungsführung, seiner EU kritischen Haltung und der pro russischen Position im Ukraine Konflikt herrscht eine spürbare, aber schwer greifbare Politisierung des öffentlichen Lebens, die auch unter Studierenden gelegentlich Thema war. Folglich waren politische Themen im Alltag zwar spürbar, aber nicht vordergründig – dennoch zeigten sich im Stadtbild häufig Nationalflaggen, politische Plakate und eine gewisse Aufgeladenheit im Hinblick auf die bevorstehenden Parlamentswahlen 2026.
Sprachlich bewegte ich mich meist auf Englisch, doch einzelne ungarische Worte – ein „Köszönöm“ (Danke) oder „Viszlát“ (Auf Wiedersehen) – öffneten Türen und Gesichter gleichermaßen. Besonders durch wiederkehrende Begegnungen mit ungarischen Kommilitonen entstanden Freundschaften, die sich auch auf private Treffen ausweiteten. Diese Erlebnisse ließen mich bald das Gefühl entwickeln, in Budapest angekommen zu sein – insbesondere, als ich meine Lieblingsorte und Routinen gefunden hatte und mich sicher, frei und willkommen fühlte.
Mit wachsender Vertrautheit verlagerte sich der Fokus zunehmend von den Herausforderungen des Alltags hin zu jenen besonderen Momenten, die mein Semester unvergesslich machten: die Freizeitaktivitäten und persönlichen Highlights meiner Zeit in Budapest.
Freizeitaktivitäten und persönliche Highlights
Trotz der hohen akademischen Anforderungen bot mein Auslandssemester an der Corvinus Universität ausreichend Raum, um Budapest in seiner kulturellen und gesellschaftlichen Vielfalt zu erleben. Meine Freizeitgestaltung bewegte sich zwischen Bildung, Begegnung und Erkundung – stets mit dem Bestreben, das Leben in der Stadt jenseits touristischer Perspektiven wirklich zu verstehen. Zu Beginn nahm ich an zahlreichen geführten Stadtrundgängen teil, die mir ein tiefes Verständnis für die Geschichte, Architektur und kulturelle Entwicklung Budapests vermittelten. Diese Eindrücke halfen mir später, meine Besucher aus Deutschland selbst durch die Stadt zu führen und ihnen „mein Budapest“ näherzubringen – eine Erfahrung, die meine eigene Verbundenheit mit der Stadt zusätzlich stärkte.
Einen wichtigen Beitrag zu meinem sozialen Leben leistete das Erasmus Student Network (ESN), das vielfältige Aktivitäten für internationale Studierende organisierte: Ausflüge, Picknicks im Stadtpark, geführte Touren, Bar und Clubabende, Schlittschuhlaufen im Stadtwäldchen, Pub Crawls oder gemeinsame Besuche der Weihnachtsmärkte. Diese Veranstaltungen schufen Gelegenheiten, über kulturelle Grenzen hinweg Kontakte zu knüpfen und Freundschaften entstehen zu lassen, von denen einige bis heute Bestand haben. In diesem Netzwerk lernte ich Studierende aus der ganzen Welt kennen.
Parallel dazu entwickelte sich mein persönlicher Alltag rund um kleine Routinen, die Budapest für mich greifbar machten: tägliche Kaffeepausen mit Kommilitonen zwischen den Vorlesungen, die Mittagspause in einem kleinen Lokal unweit der Universität mit klassischer ungarischer Küche oder Spaziergänge entlang der Donau. Orte wie die Margareteninsel, historische Kaffeehäuser oder das lebendige jüdische Viertel im VII. Bezirk (ungarisch: Erzsébetváros, deutsch: Elisabethstadt) wurden zu meinen persönlichen Rückzugsorten und Ziel zahlreicher Spaziergänge. Gerade das ehemalige jüdische Viertel faszinierte mich durch seine Mischung aus historischem Erbe, alternativer Kunstszene und pulsierendem Nachtleben. Bei Sonnenuntergang über das Donauufer zu blicken, das von unzähligen Lichtern beschienen wird, gehörte für mich zu den eindrucksvollsten Momenten meines Aufenthalts.
Ebenso unvergesslich bleibt eine mehrtägige Reise in die Region um den Balatonsee, den größten See Mitteleuropas. Bei spätsommerlichem Wetter erlebten wir gemeinsames Baden, Bootsfahrten, Weinproben und spontane Abende am See – Ereignisse, die das Miteinander der internationalen Gruppe stärkten und nachhaltige Kontakte schufen. Diese Kombination aus Natur, Kultur und menschlicher Nähe stand exemplarisch für den Geist des gesamten Auslandssemesters.
Neben diesen Erlebnissen hatte ich Gelegenheit, Budapest auch aus einer professionelleren Perspektive zu betrachten: In Gesprächen mit ungarischen Wirtschaftsvertretern aus Beratung, Produktentwicklung und Marktforschung durfte ich Einblicke gewinnen, die mein Verständnis für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation des Landes vertieften. So verbanden sich akademische Inhalte mit realen Herausforderungen und persönlichen Begegnungen, was das Lernen weit über den Vorlesungssaal hinaus bereicherte.
Insgesamt prägten diese vielfältigen Freizeitmomente mein Semester nachhaltig. Sie ergänzten mein Studium um wertvolle kulturelle, soziale und emotionale Erfahrungen und ließen mich Ungarn als Land der Gegensätze, Herzlichkeit und kreativen Energie erleben.
Diese Erfahrungen, Begegnungen und die damit verbundenen Chancen verdanke ich nicht zuletzt der großzügigen Unterstützung, die mein Auslandssemester ermöglichte und die ich im folgenden Kapitel würdigen möchte.
Dankbarkeit und Rückblick auf die Förderung
Auf das Feline Holidays Global Engagement Scholarship wurde ich durch ein Informationsschreiben meiner Hochschule aufmerksam, die über die Möglichkeit zur finanziellen Förderung des Auslandssemesters informierte. Ich bewarb mich, um mit der Förderung meine Reisekasse aufzustocken – mit Erfolg.
Besonders dankbar war ich für das Stipendium, als sich vor Ort herausstellte, dass die Lebenshaltungskosten höher waren als erwartet. Es gab mir in dieser Situation ein Gefühl der Gelassenheit und Sicherheit und ermöglichte mir einen sorgloseren Umgang mit Ausgaben, ohne auf wertvolle Erlebnisse verzichten zu müssen. Diese finanzielle Entlastung machte es leichter, das Auslandssemester in seiner Gesamtheit zu genießen – eine Erfahrung, deren persönlicher Wert weit über den materiellen Nutzen hinausgeht.
Ich bin überzeugt, dass Förderprogramme wie dieses eine enorme Bedeutung für Studierende haben. Sie geben Raum für Wachstum, Offenheit und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Künftigen Stipendiatinnen und Stipendiaten kann ich nur raten, solche Chancen unbedingt zu ergreifen. Sie fördern die persönliche Entwicklung in einem Maße, das man kaum beziffern kann.
Die positiven Erfahrungen, die mir dieses Stipendium ermöglicht hat, werden meinen weiteren beruflichen und internationalen Werdegang nachhaltig prägen – ein Gedanke, den ich im abschließenden Kapitel näher reflektieren möchte.
Fazit und persönliche Entwicklung
Rückblickend war mein Auslandssemester in Budapest ein Abenteuer voller Kontraste – geprägt von sprachlichen Herausforderungen, kultureller Vielfalt und persönlichem Wachstum. Akademisch war die Zeit durch interessante und lehrreiche Kurse gekennzeichnet, in denen ich gute Leistungen erzielen und mein Wissen im Bereich des internationalen Marketings weiter vertiefen konnte. Gleichzeitig forderte mich das Leben in einer fremden Stadt dazu heraus, mich neu zu orientieren und Lösungen unabhängig zu finden – Erfahrungen, die meine Offenheit, Anpassungsfähigkeit und Neugier nachhaltig gestärkt haben.
Besonders wertvoll war die längere Zeitspanne, in der ich Budapest nicht als Tourist, sondern als Teil der Stadt erleben durfte. Durch Begegnungen, gemeinsame Erlebnisse und den Blick auf kulturelle Unterschiede wuchs mein Verständnis sowohl für andere Lebensweisen als auch für die eigene Heimat. Ich habe gelernt, mit kulturellen Barrieren gelassen umzugehen, sie mit Humor zu nehmen und den interkulturellen Austausch als Bereicherung zu betrachten.
Persönlich gehe ich mit einem Gefühl der Reife, Dankbarkeit und Zuversicht aus dieser Zeit hervor. Die Erfahrung hat meinen Horizont erweitert und meinen Wunsch bestärkt, künftig international zu arbeiten und weitere kulturelle Umfelder kennenzulernen. Wenn ich an Budapest zurückdenke, werde ich vor allem die ästhetischen Kontraste, das goldene Abendlicht an der Donau und den Duft frisch gebackener Chimney Cakes in Erinnerung behalten.
Das Auslandssemester in Budapest war damit nicht nur ein wichtiger Meilenstein meines Masterstudiums, sondern ein prägender Abschnitt meiner persönlichen Entwicklung, der mich langfristig begleiten wird.