Annika Küthe
Stipendiatin Annika Küthe
Auslandssemester: CTL Eurocollege Limassol, Zypern (02.2025 – 06.2025)
Annika absolvierte ihr Auslandssemester am CTL Eurocollege in Limassol auf Zypern. Ihr Studium an der IST-Hochschule verbindet Tourismus und Kommunikation – ergänzt durch ein Fernstudienmodell, das ihr Flexibilität und internationale Erfahrung ermöglicht.
„Reisen ist immer noch die intensivste Form des Lernens.“ – Dieses Zitat von Kevin Kelly beschreibt mein Verständnis eines Auslandssemesters, das aus meiner Sicht die perfekte Kombination aus Bildung und Reisen darstellt.“
Seit Beginn ihres dualen Bachelorstudiums ist Annika fasziniert von der Tourismusbranche – und insbesondere von der Möglichkeit, Menschen die Vielfalt und Schönheit der Welt näherzubringen. Das CTL Eurocollege mit seinem tourismusorientierten Schwerpunkt stellte ihr dafür die passende akademische Umgebung bereit.
Zypern war für Annika eine bewusste Wahl: Die Mischung aus mediterraner Lebensfreude, kultureller Vielfalt und beeindruckender Natur macht die Insel für sie zu einem besonderen Lern- und Lebensort. Limassol war für sie nicht nur eine Quelle fachlicher Inspiration, sondern auch ein Ort persönlicher Entfaltung.
Zielsetzungen des Auslandssemesters:
• Vertiefung touristischer Fachkenntnisse in internationalem Kontext
• Persönlichkeitsentwicklung durch interkulturelle Erfahrungen
• Erweiterung des Destinationswissens durch gelebte Praxis
• Intensivierung der Englischkenntnisse im beruflichen Umfeld
Beruflich ist Annika bei DERTOUR tätig – in einem internationalen Umfeld, in dem Englisch die Hauptsprache ist. Die Kombination aus Studium, Auslandserfahrung und beruflicher Praxis stärkt ihr Profil für eine fundierte Karriere in der Tourismusbranche.
Das Auslandssemester in Limassol war ein Herzenswunsch – und Annika ist überzeugt, dass es eine prägende und richtige Entscheidung war.
Wir gratulieren Annika herzlich zum Stipendium und wünschen ihr weiterhin viel Erfolg auf ihrem Weg!
Auslandsbericht Zypern
Auslandserfahrungen sind Bereicherungen in unserem Leben, die mit Freiheit, Lebensfreude und Wissen einhergehen - ,,Reisen ist immer noch die intensivste Form des Lernens.“ Dieses Zitat von Kevin Kelly beschreibt mein Verständnis eines Auslandssemesters, das aus meiner Sicht die perfekte Kombination aus Bildung und Reisen darstellt. Durch meinen Erasmus+ Aufenthalt konnte ich die Bildung mit meiner Reiselust verbinden.
Ich habe mein Auslandssemesters an dem CTL-Eurocollege auf Zypern in Limassol absolviert. Meine Entscheidung fiel auf Zypern, da mich das Zusammenspiels der verschiedenen kulturellen Einflüsse fasziniert hat. Viereinhalb Monate zyprisches Lebensgefühl - Sonne, Strand und Meer. Diese Kombination macht Zypern zu einer einzigartigen Insel.
Bereits zu Beginn meines Studiums, war es mein Ansinnen ein Auslandssemester zu absolvieren, da ich wusste, dass es mich auf jeglichen Ebenen in meiner persönlichen Entwicklung stärken wird und nun ein wichtiger Bestandteil dieser ist. Auch im beruflichen Aspekt spielte diese Entscheidung eine wichtige Rolle, da das Auslandssemester zusätzlich die Möglichkeit der Vertiefung meines Destinationswissens geboten und gleichzeitig die Sprachkenntnisse noch einmal mehr intensiviert hat. Mein berufliches Umfeld bei DERTOUR ist sehr international und somit ist Englisch einer der Hauptsprachen, daher ist die sprachliche Weiterentwicklung von hoher Wichtigkeit für mich gewesen. Meine Motivationen für diese Auslandserfahrung waren vielseitig, doch mein größter Antrieb war es, diesen langgehegten Wunsch endlich verwirklichen zu können. Es ist mein Herzenswunsch gewesen, dieses Auslandssemester auf Zypern zu absolvieren - und ich kann bereits jetzt sagen, dass es die richtige Entscheidung war und sich mein Horizont um ein Vielfaches erweitert hat.
1. Vorbereitung:
Nachdem ich meine Bewerbung für den Erasmus+ Platz abgesendet hatte und einige Zeit später die Zusage bekam, war es klar: Ein großer Traum wird wahr.
Die Vorbereitung auf das Auslandssemester waren mit einigen organisatorischen Arbeiten verbunden, aber im Grunde genommen doch recht überschaubar. Nachdem die Erasmus+ Dokumente ausgefüllt und abgesendet wurden, ging es direkt ans Flüge buchen und Unterkunft suchen.
Die Unterkunftssuche in Limassol war dabei mit Abstand am beschwerlichsten. Nicht nur, dass die Stadt sehr teuer ist, sondern auch die Mindestmietdauer von meist einem Jahr erschwerte meiner Mitbewohnerin und mir die Suche. Nach etlichen Absagen und der Angst ohne Unterkunft dazustehen, entschieden wir uns für zwei Airbnb Zimmer etwas außerhalb der Stadt, doch dies stellte sich zeitnah als unpraktisch dar.
2. Beschreibung des Landes und der Stadt:
Zypern ist einer der schönsten Orte, die ich je besucht habe. Kristallklares und türkises Wasser, wohin das Auge reicht.
Limassol ist die zweitgrößte Stadt Zyperns und für mich persönlich die Schönste. Es ist wie eine kleine Metropole direkt am Meer, zwischen Palmen und (einigen) Hochhäusern.
Die Insel hat eine bewegte und vielschichtige Geschichte. Aufgrund seiner geografischen Lage war Zypern schon immer ein Objekt des Interesses verschiedener Großmächte. Diese strategische Bedeutung erklärt viele heutige Besonderheiten wie den Linksverkehr, britische Steckdosen sowie historische Einflüsse aus England.
Vor 1974 war Zypern wirtschaftlich gut entwickelt und ein beliebtes Reiseziel, das auch zahlreiche Prominente anzog. Der Tourismus boomte, insbesondere im Stadtteil Varosha in Famagusta, der mit luxuriösen Hotels als eines der bekanntesten Urlaubsziele im Mittelmeerraum galt.
Seit dem 20. Juli 1974 ist die Insel in Nord- und Südzypern geteilt. Der Norden wird von der Türkei kontrolliert und ist international nur von der Türkei sowie Aserbaidschan als eigenständiger Staat anerkannt (Türkische Republik Nordzypern). Der südliche Teil ist international anerkannt, Mitglied der Europäischen Union und überwiegend griechischsprachig.
Die Spannungen zwischen Nord- und Südzypern sind bis heute spürbar. Die vielen persönlichen Geschichten und Schicksale der betroffenen Menschen regen zum Nachdenken an und berühren tief. Es gibt zahlreiche geführte Touren, bei denen man die Geschichte und die Hintergründe des Konflikts besser verstehen kann, etwa durch den Besuch der Geisterstadt Varosha.
Die geografische Lage Zyperns macht die Insel auch heute noch geopolitisch relevant. Sie liegt nahe an drei Kontinenten und befindet sich damit im Zentrum internationaler Interessen.
Nikosia ist die einzige geteilte Hauptstadt der Welt. Die Unterschiede zwischen den beiden Stadtteilen sind deutlich sichtbar. Um vom Süden in den Norden zu gelangen, muss man seinen Pass vorzeigen. Dabei verlässt man die Europäische Union und betritt wenige Meter weiter türkisches Gebiet.
Auf der Nordseite Nikosias sind bis heute Spuren des Konflikts sichtbar, darunter Einschusslöcher in Hauswänden. Das Stadtbild wirkt insgesamt verfallener, besonders im Vergleich zur griechisch geprägten Südseite.
Klima
Das Klima auf Zypern ist mediterran mit heißen, trockenen Sommern sowie milden, feuchten Wintern, die jedoch überraschend kalt sein können. Besonders in diesem Jahr war der Winter außergewöhnlich kalt. Einer meiner Professoren (45+) berichtete, dass er einen derart kalten Winter auf Zypern noch nie erlebt habe.
Vor allem die Steinhäuser und der Umstand, dass viele Wohnungen keine Heizungen haben, machten den Beginn meines Aufenthalts sehr unangenehm, da ich über zwei Wochen hinweg ständig fror. Ab März wurde das Wetter jedoch deutlich angenehmer. Im April war es bereits warm genug zum Baden. Ab Juni steigen die Temperaturen stark an, sowohl tagsüber als auch nachts. Im August können Temperaturen von bis zu 47 Grad erreicht werden, weshalb viele Einheimische die Insel in dieser Zeit verlassen.
Kultur und Gesellschaft
Die Kultur im südlichen Teil Zyperns ist von zahlreichen Einflüssen geprägt, insbesondere von der griechisch-orthodoxen Kirche. Die Menschen gelten als sehr gastfreundlich und zeigen einen starken sozialen Zusammenhalt, der im täglichen Umgang deutlich spürbar ist.
Zypern verfügt zudem über viele antike Sehenswürdigkeiten, darunter die Königsgräber, die römischen Ruinen von Kourion sowie die archäologischen Stätten von Paphos, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen.
Traditionen, Küche und Feste
Die zyprische Küche ist vielfältig und reichhaltig, geprägt durch verschiedene kulturelle Einflüsse. Typische Spezialitäten sind Meze, Halloumi, frisches Obst, frisch gepresste Säfte, Wein, Granatäpfel, Mandarinen und Zitronen.
Feste und Feiern spielen im gesellschaftlichen Leben eine große Rolle. Über das ganze Jahr hinweg finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Besonders bekannt ist der Karneval in Limassol, der Besucher aus dem gesamten Land sowie viele Touristen anzieht.
Städte, Tourismus und Wirtschaft
Zu den wichtigsten Städten zählen Larnaca, Limassol und Paphos. Viele Sehenswürdigkeiten auf Zypern sind natürliche Attraktionen, ergänzt durch historische Städte und archäologische Stätten. Zypern ist besonders wegen der schönen Strände und der Geschichte sehr beliebt bei Touristen.
Der durchschnittliche Stundenlohn liegt bei etwa 7 Euro, während die Mieten, zumindest in Limassol, sehr hoch sind. Die Lebensmittel sind preislich vergleichbar mit unseren Preisen in Deutschland. Die Preise in den Restaurants und Cafés sind ebenfalls vergleichbar mit Deutschland
3. Universität und akademische Erfahrungen:
Das CTL Eurocollege ist ein kleines und familiäres College, in dem sich alle Beteiligten auf Augenhöge begegnen. Es ist typisch zyprisch und ganz anders als das, was wir in Deutschland kennen.
Die angebotenen Kurse reichten von IT, über Kommunikation zur Touristik. Ich selbst habe die touristischen und die kommunikationsbezogenen Fächer gewählt. Wir hatten etwa 15 Wochenstunden. Die Universität ließ somit viel Raum zur persönlichen Weiterentwicklung.
Der Unterricht war durch den direkten Kontakt zu den Professoren geprägt, da wir nur kleine Gruppen waren.
Auf Grund der vielen internationalen Studenten in der Universität, wurden zwei Ausflüge angeboten, um den Studenten die Insel näher zu bringen und die Kultur zu vermitteln. Außerdem wurden die zyprischen Feste in den Unterricht eingebunden und zum Beispiel zum Karneval gemeinsam kreativ gearbeitet um für unseren Professor, der im Jahr zuvor Karnevalkönig geworden ist, ein ehrwürdiges Kostüm herzustellen.
Besonders spannend war außerdem die Diskussion mit einer Dame aus der EU-Kommision, die ihren Weg im Rahmen der Nachhaltigkeit auf Zypern, zu uns fand. Da es auf Zypern kein Pfandsystem gibt und generell ein hoher Plastikverbrauch herrscht wollte Sie gerne Vorschläge ins EU-Projekt mitnehmen, wie man Zypern nachhaltiger machen kann. Auf Grund unseres Wissens konnten wir hierbei mitwirken.
4. Persönliche Erfahrungen und Alltag:
Der Alltag auf Zypern war großartig und durch viele Stunden am Meer und in der Sonne geprägt.
Einer meiner ersten Erinnerungen waren die exotischen Obstbäume, die sich auf dem Hof unserer ersten Unterkunft befanden. Voller Freude betrachtete ich die Orangen- und Zitronenbäume und wusste – hier bin ich jetzt erst einmal zu Hause, weit weg von alldem, was ich kenne, offen für eine ganz neue Welt. Und ich kann sagen, es war eine ganz besondere Zeit.
Meine Freizeit verbachte ich viel mit meinen Freunden vor Ort, aber auch mit meinen Freunden und meiner Familie, die mich auf Zypern besucht haben.
Einer meine Lieblingsbeschäftigungen war der fast tägliche Spaziergang zur Promenade. Dort habe ich das türkise Wasser, die Sonne und gerne einen frischgepressten Orangensaft oder Granatapfelsaft genossen. Zu meine täglichen Mahlzeiten gehörten immer frische Säfte, Früchte, Halloumi, Wraps oder Schafsjogurt. Den Schafsjoghurt habe ich auf Zypern neu für mich entdeckt und habe leider noch kein äquivalent zu diesem in Deutschland gefunden. Dies gilt auch für frischen Halloumi, der natürlich nicht im Ansatz mit unserem Halloumi verglichen werden kann.
Zudem war ich fast täglich am Strand und habe es einfach nur geliebt. Dies ist ein Auszug von der Liste meiner schönsten Lieblingsstrände:
1. Aphrodite Beach
Der Aphrodite Beach war mein Lieblingsstrand, auch wenn er etwas außerhalb lag und einen recht langen Weg erforderte.
Am Aphrodite Beach habe ich einen besonderen Moment erleben dürfen. Kurz vor Ende meines Semesters war ich mit meinen Freunden Stand-Up Paddeln und Schnorcheln. Während unter uns das glasklare Wasser glitzerte, tauchte wie aus dem Nichts eine wunderschöne Schildkröte auf. So verbachten wir einige Zeit damit, mit dieser Schildkröte zu schwimmen. Es war atemberaubend – über uns die Sonnenstrahlen und die türkise Wasseroberfläche und unter uns der weiße-wellige Sand mit einer sanft dahingleitenden Schildkröte. Ein absolutes Highlight.
2. Columbia Sun
Von diesem Beachclub aus hat meine eine wundervolle Aussicht auf die Skyline.
3. Fig Tree Beach
War mein Lieblingsstrand in Agia Napa, da er weniger voll war als der Nissi Beach, aber trotzdem in direkter Nähe zu diesem war.
In meiner Freizeit habe ich außerdem gerne die wunderschöne Insel erkundet, zu der auch viele weitere natürlichen Komponenten gehören. Auch hier habe ich eine kleine Liste angefertigt. Zu meinen liebsten Orten auf Zypern zählen:
1. Seacaves Agia Napa
Die Sea Caves sind mit Abstand einer der schönsten Orte auf Zypern. Die Seehöhlen werden von glasklarem Wasser umspielt, während die Sonne am Horizont scheint und alles zu Glitzern bringt. In nächster Entfernung gibt es einen Berg direkt am Meer, der eine einzigartige Aussicht bietet.
2. Nissi Beach (außerhalb der Saison)
Der Nissi Beach ist mit Abstand der berühmteste Strand Zyperns. Dies ist auch der Grund, warum man ihn zur Hauptsaison lieber meiden sollte, wenn man auf Menschenmassen verzichten möchte. Doch außerhalb der Saison ist es ein großartiger Ort zum Verweilen. Das türkise Wasser ist unvergleichlich schön.
3. Kourion
Kourion ist eine archäologische Stätte und zählt zu den eindrucksvollsten Fundstätten Zyperns. Kourion war damals ein bedeutendes Stadtkönigreich. Noch heute ist das prachtvolle griechsich-römische Theater, eine frühchristliche Basilika, ein Nympheum und diverse Ruinen von Häusern (ungeraderem Haus des Eustólios) zu finden. Die Stätte ist in direkter Nähe zu Limassol.
Von Kourion aus hat man einen grandiosen Blick auf das Meer.
Die meisten archäologischen Stätten auf Zypern sind für Studenten kostenlos.
4. Aphrodite Rock
Der Legende nach ist Aphrodite hier aus dem Wasser gestiegen und dieser Ort symbolisiert Schönheit und Fruchtbarkeit. Dieser Ort ist für mich in vielerlei Hinsicht ein ganz Besonderer, da er mir in den unterschiedlichsten Situationen Kraft, Frieden, Ruhe und Liebe geschenkt hat. Aphrodite Rock hat die Fähigkeit die Seele zu berühren. Besonders die Sonnenauf- und Untergänge sind ein magisches Schauspiel der Natur und versprechen ganz besondere Momente.
Ich erinnere mich von Herzen gerne an diese Momente.
Trotz aller positiven und großartigen Ereignisse, war nicht alles immer schön.
Während meines Auslandssemesters gab es einige kleinere, aber auch größere Herausforderungen. In diesem Rahmen werden nur einige der größeren Hürden thematisiert, was leider nicht bedeutet, dass es die Einzigen waren. Eines der großen Themen, das mich vielbeschäftigt hat, war eine Wohnung zu finden. Nachdem meine Mitbewohnerin und ich einen Monat lang froren, Auseinandersetzungen mit unseren Vermietern hatten und etliche Kilometer an einer vielbefahrenen Straße gelaufen sind, da das öffentliche Verkehrsnetz so gut wie nicht vorhanden ist, hat uns eine wundervolle Dame für einen viel zu hohen Preis für drei Monate eine Wohnung vermietet und das nur, weil sie selbst in Deutschland studiert hat und wusste wie schwer es ist, in einem anderen Land eine Wohnung zu finden, wenn man die andere Sprache nicht spricht. Sie war unsere Rettung. Dennoch sind die Wohnungen in Limassol generell unverhältnismäßig teuer. Hierbei muss erwähnt werden, dass die Wohnungsknappheit und die dadurch entstehenden Wucherpreise im Besonderen Limassol betreffen. Weitere Faktoren für die fast verdoppelten oder sogar verdreifachten Mietpreise ist außerdem der Zuzug vieler Firmen, Investoren und internationalen Arbeitskräften. Larnaka und Paphos sind davon eher weniger betroffen, hier sind die Preise deutlich geringer. Ich hätte mir gewünscht bei der Wohnungssuche Unterstützung seitens der Hochschulen zu bekommen. Ich weiß, dass es recht schwierig ist, besonders bei einer Wohnungsknappheit, aber hier hätte es trotzdem eine Hilfestellung geben können und damit hätte der Start auch deutlich erleichtert werden können, aber man wächst bekanntlich durch seine Aufgaben.
Eine eher kleinere, dafür aber dauerhaft anhaltende Herausforderung war das schlecht ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz bzw. das kaum existente öffentliche Verkehrsnetz. Es war es immer nötig ein Auto zu mieten, für alle Strecke, die man nicht innerhalb von anderthalb Stunden laufen konnte. Das heißt, wenn man auf Zypern lebt, ist ein Auto ein Muss. Auch für den Urlaub sollte immer ein Auto gemietet werden.
Einer der größeren Herausforderungen war der Iran-Israel Konflikt, der gegen Ende immer stärker zu spüren war. Zwei Tage vor meiner Abreise nach Deutschland war ich abends mit einem Freund an der Promenade spazieren, als wir über dem Meer Bomben in die Luft gehen sahen. Das war ein Moment unfassbarer Angst, da man wusste, dass man auf einer Insel ist und dort gegebenenfalls auch nicht wegkommt. Zwei Tage nach dem ich die Insel verlassen hatte, wurden für die Einwohner Bunkerapps empfohlen, wie mir meine dort lebenden Freunde mitteilten.
Kulturelle und soziale Aspekte
Während meiner Zeit auf Zypern habe ich viele unterschiedliche Lebensstile und -arten kennenlernen dürfen, die eng mit der jeweiligen Kultur verbunden waren. Mir wurden neue Perspektiven und Sichtweisen nähergebracht, die mich viele Dinge anders betrachten und Menschen besser verstehen lassen.
Durch diese Zeit haben sich feste und tiefgründige Freundschaften entwickelt, die ich auf keinen Fall missen möchte. Ich habe diese Freunde bereits mehrfach in ihren Ländern besucht und stehe im regelmäßigen Kontakt zu ihnen.
Der Aufenthalt hat mir gezeigt, dass wir alle gleich, aber auch alle ganz besonders sind. Obwohl ich unfassbar viel Reise, war es das erste Mal, dass ich so viele unterschiedliche Kulturen in meiner direkten Nähe hatte.
Die Art der Zyprer ist etwas ganz Besonderes und sie haben viele Charakterzüge, die das dortige Lebensgefühl sehr prägen. Es gibt einige sehr deutliche Unterschiede zwischen der deutschen und der zyprischen Kultur.
Eine schöne Eigenschaft der Zyprer ist die entspannte und entschleunigte Art, die man ohne Zweifel auf diese Art und Weise kaum in Deutschland findet.
Es ist die Entspanntheit und das Lebensmotto: Ziga Ziga - also langsam, langsam.
Direkt am ersten Tag unseres Einzuges hatten wir Probleme mit dem Bad. Nachdem wir einen Klempner angerufen hatten und er uns für Montag einen Termin gab, tauchte er an diesem nicht auf. Auf Nachfrage, wo er denn bliebe, sagte er, dass wir doch erst für Dienstag einen Termin ausgemacht hätten. Sowohl meine Mitbewohnerin als auch ich waren sicher, dass Montag abgesprochen war. Was ich daraus gelernt habe: Terminabsprachen mit Zyprern sind eigentlich kaum möglich, denn ich habe mehr als einmal die Erfahrung gemacht, dass Zeiten und Termine eher relativ zu sehen sind und mehr eine Möglichkeit, als eine feststehende Gegebenheit sind.
Das ist zwar grundsätzlich eher nervig, aber zeigt ganz gut, wie die Zyprer das Leben verstehen.
Die deutsche Pünktlichkeit, Organisation und Ordnung sind weit weg von der zyprischen Kultur, aber das ist auch in Ordnung so, denn man kann sagen, die Zyprer führen ein deutlich entspannteres Leben als die meisten Deutschen. Ich denke die Kombination aus beiden Werten wäre von Vorteil und würde einen ganz neuen Lebensstil kreieren.
Eine weitere Feststellung ist, dass die Zyprer es lieben zu feiern und dafür finden sie immer gute Gründe. Eines meiner ersten Feste war das Mandelblütenfest. Hier wird die Mandelblüte der Insel begrüßt und gefeiert. Ein weiteres großes, wenn nicht sogar das größte Event der Insel, ist Karneval. Karneval ist besonders in Limassol ein wichtiges Ereignis, den dort finden die Hauptparaden statt. Ein ebenfalls wichtiges Ereignis ist das Rosenfest in Agros. Hier werden allerlei Produkte aus Rosen verkauft und eine Herstellungsstätte geöffnet, in der der Herstellungsprozess erläutert wird. Dieses Fest zieht Menschen aus ganz Zypern an.
Die Zyprer sind bekannt für ihre Gastfreundschaft und in diesen Monaten lernte ich, was genau das bedeutet. Dank einer lieben Kollegin aus Deutschland habe ich Androulla und Lefkos, ein älteres Ehepaar kennengelernt. Nachdem wir uns völlig fremd waren und ich ihnen geschrieben habe, luden sie mich direkt nach Agros, ihrer Heimat ein. Sie kochten für mich, zeigten mir den Ort und teilten ihr Wissen mit mir. Außerdem lernte ich wie man Rosenblüten pflückt und kam in den Genuss einen Granatapfel aus deren eigenen Garten zu essen. Androulla schenkte mir getrocknete Rosen aus ihrem eigenen Rosengarten und eine selbsthergestellte Creme. Am Ende des Tages fühlte ich mich so, als ob ich für einen Tag ihre Enkelin war, so herzlich waren die beiden zu mir. Die Offenheit und der Stolz etwas von den eigenen Werten zu teilen, seine Heimat zu zeigen und einen fremden Menschen so warmherzig aufzunehmen, hat mich sehr berührt und beeindruckt. Auch die Deutschen sind sehr gastfreundlich, aber häufig eher distanzierter und reservierter, als ich es auf Zypern kennengelernt habe.
Die zyprische Kultur ist auf ihre Art einzigartig -sie ist laut, temperamentvoll, gastfreundlich, familiär und traditionell. Auch wenn es nur eine kurze Zeit war, in der ich Teil dieser Kultur sein durfte, hat mir diese viele neue Erkenntnisse gebracht.
5. Fazit:
Einer meiner wichtigsten Erkenntnisse ist, dass es einer der wertvollsten Erfahrungen ist, zumindest einmal temporär in einem anderen Land zu leben und anzukommen, sich dabei selbst besser und auch neu kennenzulernen, aber auch anderen Menschen aus anderen Ländern zu begegnen, und deren Lebensart als Inspiration zu nutzen. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, was es bedeutet Freundschaften innerhalb kürzester Zeit zu schließen und sich mit Menschen aus anderen Ländern so verbunden zu fühlen, als ob man sich schon immer kennen würde.
Die weitere Erkenntnis erstreckt sich in dem Wissen, dass ich einen weiteren Auslandsaufenthalt machen möchte und mir in der Theorie auch vorstellen kann auszuwandern. Ich liebe das Meer, den Strand und die Sonne. Das Lebensgefühl, das mir Zypern gegeben hat, habe ich vorher auf diese Art und Weise noch nicht gekannt.
Eine weitere neue Erfahrung war es, sich in einem anderen Land heimischer zu fühlen, als im Eigenen und dort ein Stück Heimat zu finden.
Obwohl ich bereits 36 Länder dieser Welt, auf sechs verschiedenen Kontinenten bereits habe, hat ein Teil von mir immer nach dieser Erfahrung gesucht. Ich liebe es zu reisen, um den Horizont zu erweitern und mit jeder meiner Reisen eröffnet sich dieser immer ein Stück mehr, aber der längere Aufenthalt und das Ankommen in einem anderen Land macht einen deutlichen Unterschied und eröffnet ganz neue und ungeahnte Perspektiven, als auch ein neues Denken über sich, über andere, die eigenen Vorstellungen, Wünsche und die ganze Welt.
In dieser Zeit habe ich gelernt was Freundschaft, Zusammenhalt, Unterstützung, Gastfreundschaft, bedingungslose Liebe, Stärke, Heimat, Familie und persönliches Wachstum bedeutet. Ich hatte noch nie zuvor eine so intensive, wunderschöne aber auch gleichzeitig herausfordernde und schwere Zeit. Diese Erfahrung wird immer ein Teil meines Herzens sein und hat mich geprägt, wie kaum eine andere.
Daher empfehle ich Dir, wann auch immer die Chance besteht einen Auslandsaufenthalt zu machen: nutze sie!
Geschrieben von Annika Küthe